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		<lastBuildDate>Fri, 18 May 2012 20:35:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“</title>
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			<description>Kolumne von Wolfgang Wagner</description>
			<content:encoded><![CDATA[Michail Gorbatschow wird mit diesem Satz (6. Oktober 1989 am Rande der letzten Geburtstagsfeier der DDR) zitiert. <br />Dolmetscher Helmut Ettinger übersetzte so: <i>„Ich halte es für sehr wichtig, den Zeitpunkt nicht zu verpassen und keine Chance zu vertun... Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort.“</i> Der Rest dürfte eine später vorgenommene Verkürzung der Aussage sein. <br />Warum dieser Exkurs? Einfach: Weil Ärzte und Apotheker in Österreich in gravierender Gefahr sind, einfach links liegen gelassen zu werden. <br />Fall 1: E-Medikation: „Innovation: Arzneimittels-Sicherheitspaket in Apotheken“, hieß es am 5. Oktober 2004 in Österreich. Wer kann etwas dagegen haben, dass Ärzte, Apotheker und Spitäler wissen, was der einzelne Patient von seinen Ärzten verschrieben bekommen hat oder an OTC-Ware in der Apotheke einkauft. Niemand! Doch seit dem ersten Denken an ein solches Systems – eben 2004 – verhindern Standes- und Machtpolitik die Umsetzung.&nbsp; <br />Jetzt soll der durch Teilblockade mickrige Pilotversuch mit 85 Ärzten, 50 Apotheken und vier Krankenhäusern (5.400 Patienten, 18.000 Verordnungen und 14.000 Abgaben von <br />Arzneimitteln) zeigen, wo’s lang geht. Das hätte man im Jahr 2007 schon aus dem Pilotversuch mit dem Arzneimittel-Sicherheitsgurt in Salzburg (Apotheker) lernen können. Die bundesweite Realisierung wurde damals abgeblasen. Den sprichwörtlichen „Salat“ hat der Patient.&nbsp; <br />Fall 2: Ärztekammerwahlen: Demokratie ist gerade in Österreich mit seiner monarchistischen bis diktatorischen Vergangenheit wichtig. Aber das darf nicht Stillstand heißen – sonst … <br />Was ist von einem Berufsstand zu halten, der für die Kammerwahlen von 3. März (Wahl Tirol) bis 22. Juni (Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer) benötigt? Nimmt man noch die Zeiten des Wahlkampfes in den neun Bundesländern und die notwendige Einarbeitung neuer Funktionäre hinzu (die Apotheker sind nicht besser – Präsidentenwahl nach Monaten am 20. Juni), dann sind das mindestens neun Monate „lahmer Enten“ und/oder stagnierender Politik. <br />Können sich das die Berufsstände leisten? Derzeit verhandeln Landeshauptleute, Hauptverband und Gesundheitsministerium eine Milliarden schwere Gesundheitsreform. Und auf der anderen Seite steht – niemand, der sich wirklich engagieren kann oder nicht als „Wahlkämpfer“ abgetan wird. <br />Zeit zum Handeln: Terminliches Zusammenlegen der Landeskammer-Wahlen, schnellste Kür von Entscheidungsträgern, Konstituierung der Gremien, entsprechendes Auftreten in Politik und Öffentlichkeit, Aufzeigen, Verhandeln – auch in Sachen E-Medikation … <br />Heinz Conrads sang ehemals: <i>„Schau doch auf die Uhr, es ist schon spät …“.</i> Lange vor Gorbatschow!
<b>Wolfgang Wagner,</b><br />Chefreporter<br /><link wagner@kassenarzt.at>wagner@kassenarzt.at</link>]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 May 2012 20:35:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>„Migration bedeutet immer eine Belastung für die Psyche“</title>
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			<description>Die Welt war schon immer mobil. Um die Wende zum 21. Jahrhundert haben sich Mensch und Wirtschaft...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>„Migration bedeutet in jedem Fall eine Belastung für die Psyche. Migranten haben daher auch eine vermehrte Anfälligkeit für psychische Störungen, auch wenn sich diese in den einzelnen Gruppen voneinander unterscheiden. Hinzu kommt, dass psychische Krankheiten je nach kulturellem Kontext unterschiedlich zutage treten bzw. von den Patienten dargestellt werden“,</i> erklärte jetzt Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe, Leiter der Ambulanz für trans-kulturelle Psychiatrie an der Psychiatrischen Universitätsklinik der MedUni Wien im Gespräch mit DER KASSENARZT. <br />Von den Menschen mit Migrationshintergrund, die gegenwärtig in Österreich leben, sind mehr als 1,1 Millionen eingewandert (Migranten 1. Generation), 360.000 sind als Kinder von Migranten der 1. Generation in Österreich geboren (Migranten 2. Generation) und nach Schätzungen des Bundesministerium für Inneres befinden sich etwa 100.000 Menschen illegal in Österreich. <br />Stompe: <i>„Die Gruppe der Migranten ist sehr heterogen. Die zahlenstärkste Gruppe sind Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Dann kommen aber inzwischen schon die deutschen Staatsbürger. Allerdings, diese sind wegen der kulturellen Nähe zu den Österreichern deutlich weniger Belastungen ausgesetzt. Die drittstärkste Gruppe stammt aus der Türkei, hier kommen die meisten aus den anatolischen Provinzen.“ </i><br />Hinzu kommen oft gut ausgebildete Menschen aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Allerdings, aus den GUS-Ländern (Tschetschenien etc.) flüchten viele Menschen schwer traumatisiert vor Bürgerkriegen oder aus ähnlichen Situationen. Der Psychiater: <i>„Unter den Afrikanern ist die stärkste Gruppe jene der Ägypter, dann die Nigerianer und Ghanaesen.“</i> Ostasiaten leben oft in ziemlich geschlossenen Gemeinschaften. <br />„Auswandern“ – das bedeutet psychischen Stress. Stompe: <i>„Zumeist sind die Umstände, unter denen die Migration stattfindet, mit großen psychischen, sozialen und ökonomischen Belastungen verbunden. Familien werden zerrissen, kulturelle und individuelle Identitätsmuster verlieren ihre tragende Wirkung, die erste Zeit im Aufnahmeland ist in den meisten Fällen durch unsichere rechtliche und wirtschaftliche Verhältnisse bestimmt.“</i><br />Ablehnung durch das Gast- bzw. Aufnahmeland, undurchschaubare Bürokratie wirken kontraproduktiv. Speziell Flüchtlinge bringen auch ihre erlittenen psychischen und physischen Traumen mit. Der Psychiater: <i>„In zahlreichen Studien zeigte sich, dass Personen mit Migrationshintergrund stärkere Belastungen für verschiedene psychische Erkrankungen wie Posttraumatische Belastungsstörung, Anpassungsstörungen und affektive Erkrankungen aufweisen.“</i>
<h2>Höheres Schizophrenie-Risiko</h2>
Ein weiteres Faktum: Studien haben weiters ergeben, dass dunkelhäutige Migranten das zwei- bis fünffache Risiko haben, an einer Schizophrenie zu erkranken. Migranten der 2. Generation erkranken daran noch häufiger als die Elterngeneration. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Der Wiener Psychiater: <i>„Es ist aber durchaus möglich, dass hier die Belastungen, die mit der Migration verbunden sind, bei diesen Menschen sozusagen den ‚Trigger‘ für den Ausbruch der Symptome darstellen.“ </i><br />An der Transkulturellen Ambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik wurden die Daten von fast 2.000 Patienten analysiert. Repräsentativ können die Informationen allerdings nicht sein, weil hier in mehrfacher Weise Zugang zur Versorgung, Inanspruchnahme durch die Betroffenen selbst und die Betreuungssituation des Einzelnen eine Rolle spielen. <br />Doch Hauptmerkmale der bei Migranten auftretenden Störungen lassen sich unterscheiden: 
<ul><li>Am häufigsten kamen neurotische, somatoforme bzw. Belastungsstörungen vor (64 Prozent). </li><li>Flüchtlinge wiesen besonders häufig Posttraumatische Belastungsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen nach extremen psychischen Belastungen auf. </li><li>Ob freiwillige oder unfreiwillige Migration – bei den Anpassungsstörungen und somatoformen Störungen spielt das offenbar kaum eine Rolle, ebensowenig bei den affektiven Störungen (mit 14 Prozent die zweithäufigste Diagnose).</li><li>Dritthäufigste Diagnose (rund neun Prozent) war die Schizophrenie.</li></ul>
<h2>Depressionen bei Personen mit längerem Aufenthalt in Österreich </h2>
Eine weitere Beobachtung, so der Psychiater: <i>„Es zeigt sich, dass Anpassungsstörungen besonders in den ersten Monaten nach der Ankunft in Österreich auftreten. Auf der anderen Seite erkranken mehr Migranten an Depressionen, die sich schon länger in Österreich befinden.“</i><br />Anamnestisches Gespräch, Beratung, Therapie – die hier mitwirkenden und mitbestimmenden Faktoren sind praktisch unüberschaubar. Stompe: <i>„Da ist einmal die Sprache. Wenn es geht, sollte ein Dolmetscher beigezogen werden, der auch über das notwendige kulturelle Verständnis verfügt. Wir behelfen zeitweise mit bei uns Beschäftigten. Abzuraten ist von der Verwendung von Verwandten etc., weil das zu zusätzlichen Problemen innerhalb von Familie etc. führen kann.“</i>
<h2>Verhext ist nicht schizophren</h2>
Und natürlich, die unterschiedlichen Krankheiten werden je nach kultureller und ethnischer Herkunft anders geäußert. Stompe: <i>„Wir wissen, dass Menschen aus dem Süden auch bei psychischen Störungen eher physische Beschwerden in den Vordergrund stellen.“</i><br />So gibt es auch gerade bei Migranten die Gefahr für falsche Diagnosen. Der Psychiater: <i>„Patienten aus Schwarzafrika haben oft Verhexungs- und Verzauberungsideen. Das ist deren traditionelles Erklärungsmodell für Krankheiten. Wir würden hier sehr schnell an das Vorliegen einer Schizophrenie denken. Wir hatten da einen Patienten, bei dem stellte sich schließlich heraus, dass er an einer Depression litt.“</i> Vorsicht ist geboten: Schizophrenie gibt es natürlich auch unter Schwarzafrikanern ...]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 May 2012 20:12:00 +0200</pubDate>
			
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		<item>
			<title>Vorsorge fürs „vergessene Fünftel“</title>
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			<description>Viele „g’standene Österreicher“ halten selbst nicht viel von Prävention – wie sollen es Migranten...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Auch wenn es manche Menschen nicht gerne hören wollen: Österreich in seinen heutigen Grenzen ist – so wie es Wien und seine Umgebung im Jahr 1900 waren – ein klassisches Einwanderungsland. In der Alpenrepublik sind 15 Prozent der Menschen „Zugewanderte“. Das birgt auch Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Und wenn es um schnelle und zielgenaue Prävention geht, dürfen die Impfungen und gerade diese Personengruppe nicht vergessen werden. Das betonte im Gespräch mit DER KASSENARZT Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien. <br />Medizin für Migranten – die Herausforderung in einer globalisierten Welt. Kollaritsch: <i>„Wir haben derzeit ca. 214 Millionen Migranten weltweit. Migranten machen rund 8,8 Prozent der europäischen Bevölkerung aus. Allein 2006 sind rund 3,5 Millionen Menschen in Länder der EU immigriert; davon 40 Prozent aus anderen EU-Staaten, 16 Prozent aus Asien, 15 Prozent vom amerikanischen Kontinent und 13 Prozent aus Afrika. Zwischen 2010 und 2020 werden netto rund 20 Millionen Migranten zusätzlich in die EU-27 kommen.“</i><br />
<h2>Zuzug notwendig</h2>
Alle Berechnungen sprechen dafür, dass das „alte“ Europa schon in ein paar Jahren ohne Zuzug nicht mehr auskommen kann. Kollaritsch: <i>„Die EU wird ab 2015 von regelmäßiger Zuwanderung und von Migration abhängig werden.“</i><br />Österreich tanzt da beileibe nicht aus der Reihe. Der Impfspezialist und Tropenmediziner: <i>„Für Österreich wird dann eine jährliche Zuwanderung von 104.000 Zuwanderern für den Arbeitsmarkt, das Sozialsystem sowie für das Gesundheitswesens notwendig sein. Diese Bevölkerungsgruppe wird aber nicht als solche im Gesundheitswesen bemerkt. Migration wird das Schlüsselthema der Infektionsepidemiologie des 21. Jahrhunderts sein.“</i><br />
<h2>Explosive Mischung</h2>
Egal, ob Österreicher ins Ausland gehen oder Menschen aus anderen Weltregionen nach Europa kommen, ob Personen mit Migrationshintergrund in ihren Familien die „alte Heimat“ mit zurückgebliebenen Freunden und&nbsp; Verwandten besuchen oder sich – oft erst nach Jahr-zehnten oder nach Generationen – auf die Suche nach ihren Wurzeln machen, sie reisen mit ihren Krankheiten, transportieren auch Infektionen.<br />Fazit: Besserer Zugang zum Gesundheitssystem, maßgeschneiderte Beratung und eine engmaschige epidemiologische Überwachung sollten einander ergänzen. Hinzu muss die spezielle Motivation von Migranten zu Vorsorgemaßnahmen – somit auch für Impfungen als einfachste anzuwendende wirksame Prävention – kommen.&nbsp; &nbsp;<br />Die Probe aufs Exempel in Sachen Notwendigkeit solcher Maßnahmen hatte die Welt bereits: Das war im Jahr 2002 die SARS-Epidemie. Die ersten Fälle dieser Virusinfektion (Coronavirus) gab es Mitte November 2011 in Goangdong in China. Insgesamt gab es 8.437 Erkrankungsfälle. Singapur und Kanada waren mit 438 Erkrankungen und 44 Todesfällen die außerhalb Chinas am stärksten <br />betroffenen Länder. Der Tropenmediziner: <i>„Beides sind klassische Migrantendestinationen für Chinesen.“</i><br />
<h2>Impfschutz löchrig</h2>
Dabei sind natürlich gerade Menschen, die sich in der globalisierten Welt – mehr oder minder gezwungen – auf die Wanderschaft begeben, nicht jene, welchen die besten Vorsorgemaßnahmen bzw. der beste Impfschutz zugute kommen. <br />Exempel: Wie in den USA könnten Masern in Europa längst ausgerottet sein, wären da nicht neben der wachsenden Zahl der impfmüden Personen und hartnäckigen Impfverweigerer auch die Gruppe der Migranten mit ungenügender Impfversorgung. Eine Erhebung der Durchimpfungsraten bei Personen mit Migrationshintergrund (vorwiegend Türkei, Ex-Jugoslawien) ergab eine Impfabdeckung gegen bedeutsamen Infektionen wie Grippe, Tetanus, Diphtherie, Polio, FSME und Hepatitis A und B zwischen zwölf und knapp über 40 Prozent. <br />Kein Wunder, dass erst vor kurzem bei einer Pressekonferenz die Vorsitzende des nationalen österreichischen Impfgremiums, Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, folgende Forderungen aufstellte: 
<ul><li>Erhebung des Impfschutzes bei Migranten.</li><li>Staatlich finanzierte „Catch up“-Impfprogramme für Kinder und Erwachsene.</li><li>Klar definierte Impfprogramme für Migranten im Österreichischen Impfplan.</li><li>Aufklärungsbögen in verschiedenen Sprachen</li><li>Schulimpfprogramme für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.</li><li>Impfversorgung der Eltern im Rahmen der Mutter-Kind-Passuntersuchungen.</li><li>Eigene Impfstellen für Migranten im ambulanten Bereich.</li></ul>
<h2>Besuch „zu Hause“ – „Komm g’sund zurück!“</h2>
Gerade jetzt, vor den Sommerferien, wären auch in Österreich verstärkte Anstrengungen zur Verbesserung der Vorsorge bei Menschen mit Migrationshintergrund – auch speziell in der zweiten und dritten Generation – notwendig. Was nämlich für den vordergründig „Eingeborenen“ schon eine Fernreise ist, wegen der er zu seinem Hausarzt pilgert, um sich eventuell reisemedizinisch beraten zu lassen oder beim Allgemeinmediziner eben auf mögliche Risiken hingewiesen wird, ist für diese Menschen wegen der kulturellen und verwandtschaftlichen Vertrautheit ein „Besuch bei uns“ – fällt als weitere Reise gar nicht auf. <br />Beispiel: Hepatitis A – Kollaritsch: <i>„Eine wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass in der türkischen Ägäis-Region nur noch zehn Prozent der vierjährigen Kinder eine Hepatitis A durchgemacht haben. Dort fahren ‚wir‘ auf Urlaub hin. In der Region Ostanatolien sind es aber unter den Vierjährigen 95 Prozent. Dorthin fahren aber die ehemaligen „Migranten“&nbsp; zu Freunden und Verwandten. Man wandert ja aus ärmeren Regionen aus.“ </i><br />Mittlerweile haben Nachkommen der ehemaligen Emigranten in Westeuropa natürlich keinen natürlichen Schutz mehr vor der Infektion. Bei Besuchen ins Land ihrer Eltern aber können sie infiziert <br />werden und die Krankheit auch wieder nach Österreich bringen.<br />
<h2>Beweis aus Dänemark </h2>
Da dieses Risiko real ist, beweisen wichtige Forschungsarbeiten aus Ländern, die mit Migration und den Betroffenen deutlich aktiver und positiver umgehen als Österreich. Der Wiener Experte: <i>„Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Dänemark hat gezeigt, dass dänische Immigranten, die in der Türkei zwischen 1995 und 2006 Verwandte besuchten, ein um das 600-fache höheres Hepatitis A-Risiko hatten als dänische Touristen, die in das Land als Urlaubsreisende kamen.“ </i><br />Dazu trägt innerhalb von Familie und Bekannten natürlich auch der engere Kontakt bei – im Vergleich zu Touristen, welche die lokale Bevölkerung womöglich bloß als Hotel-mitarbeiter sehen.]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 May 2012 19:49:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Opioid-Substitutionsbehandlung gehört integral in die Psychiatrie“</title>
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			<description>Wiener Expertin Univ.-Prof. Gabriele Fischer: Mehr Patienten sollten in Ambulanzen versorgt werden.</description>
			<content:encoded><![CDATA[In Österreich, speziell in Wien, rühmt man sich häufig des seit Mitte der 1980er-Jahre etablierten Systems der Opioid-erhaltungstherapie – häufig im niedergelassenen Bereich. Doch die Leiterin der Drogenambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik der MedUni Wien, Univ.-Prof. Dr. Gabriele Fischer, sieht Probleme bei der Steuerung und Umsetzung der Ziele. <i>„Es gehören deutlich mehr suchtkranke Patienten in fachärztliche Betreuung“,</i> erklärt sie im Gespräch mit DER KASSENARZT. <br />Immer wieder gibt es Probleme, welche die anerkannte Therapieform für Opiatabhängige in der Öffentlichkeit in Verruf bringen. „Süchtige verkauften Drogenersatzmittel am Schwarzmarkt!“ oder „Arztversorgte Drogenszene mit Substitutionsmitteln“ – so lauten dann die Schlagzeilen. <br />Die Fakten für Österreich und Europa: Rund 700.000 der 1,3 Millionen Opioidabhängigen in Europa bekommen eine medikamentöse Behandlung mit Opioiden, stellte die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in Lissabon vor kurzem fest. In Österreich befanden sich im Jahr 2010 bereits 14.962 in dieser Behandlung, im Jahr 2001 waren es 4.604 gewesen. 83 Prozent der Substitutions-patienten werden in Wien im niedergelassenen Bereich versorgt, 15 Prozent in Drogeneinricht-ungen (MA15/Wien).
<h2>Immer mehr Probleme?</h2>
Gibt es mehr Probleme? <i>„Ich bemerke, dass ich immer mehr mit problematischen ärztlichen Verschreibungsverhalten befasst bin. Es scheint, als würden mehr niedergelassene Ärzte, vor allem Allgemeinmediziner, mit dieser Behandlung und diesen umfassend psychiatrisch Kranken in Probleme geraten. Oft ist ihnen auch lange die Gefahr gar nicht bewusst. Ich bekomme immer wieder Anrufe von niedergelassenen Allgemeinmedizinern oder Allgemeinmedizinerinnen, in denen es einfach heißt: ‚Ich komme da nicht mehr zurecht‘“,</i> so die Aussage von Fischer. <br />Erst vor kurzem wurde die Praxis eines Wiener Allgemeinmediziners geschlossen, weil er offenbar Abhängige in zweifelhafter Weise „versorgte“: Abhängige erhielten neben Opioiden auch hohe Mengen an Benzodiazepinen. Bei ihm fanden sich laut Polizei 51 e-Cards. Rezepte wurden an nichtberechtigte Substanzabhängige weiter gegeben etc. Aufgefallen war die Sache via „Karlsplatz“-Szene, wo die Polizei eingriff. Ärzte in der Umgebung waren nach dem Platz der Affäre plötzlich mit einer großen Zahl an opioidsubstitutierten Patienten mit durchaus „bemerkenswerten“ Dosierungen konfrontiert gewesen. <br />Wie auch immer, für Fischer hat die Sache auch strukturelle Ursachen: <i>„Wir haben hier ein gesundheitspolitisches Steuerungsproblem. 70 Prozent der Opiatabhängigen mit Substitutionstherapie werden in Wien beim niedergelassenen Allgemeinmediziner versorgt. Die Schwierigkeit liegt darin, dass wahrscheinlich nur 30 Prozent dieser Patienten gut beim Allgemeinmediziner versorgt sind. Und zwar jene, bei denen die Suchtkrankheit im Vordergrund steht und keine größeren psychiatrischen Komorbidi-täten vorhanden sind.“</i><br />Doch das sind wenige der Betroffenen. Die Expertin: <i>„Persönlichkeitsstörungen nicht eingerechnet weisen etwa 60 Prozent der Opiatabhängigen schwere psychiatrische Grunderkrankungen wie Depressionen, Angststörung und/oder Psychosen auf.“</i> Deshalb: 70 Prozent der Betroffenen sollten demnach in fachärztliche Betreuung kommen. <br />Fischer: <i>„Stehen diese Komorbiditäten im Vordergrund, ist der Facharzt gefordert. Die Psychiatrie ist aber ein Mangelfach. Die psychiaterischen Ordinationen sind überfüllt, nehmen oft keine neuen Patienten mehr auf. Kinder- und Jugendpsychiater gibt es fast gar nicht. Daher sollten dieser Patienten eben über die vorhandenen psychiatrischen Abteilungen und deren Ambulanzen betreut werden. Ich lehne die Ausgrenzung dieser psychiatrisch Kranken in psychiatrischen Abteilungen oder im psychosozialen Dienst ab, die Betreuung von Substanzabhängigen im Rahmen der gesamten Psychiatrie erachte ich als Verpflichtung. Die Suchterkrankung gehört als eine der schwersten psychischen Erkrankungen integral in die Psychiatrie – und nicht schwerpunktmäßig woanders hin.“</i><br />
<h2>Hervorragende Behandlungsstandards </h2>
Die Aussagen der Wiener Spezialistin sind nicht als Kritik an den Allgemeinmedizinern zu verstehen, die sich seit Jahren für Drogenpatienten engagieren: <br /><i>„Allgemeinmediziner liefern hier hervorragende Behandlungsstandards, man darf sie aber bei Problemen durch diese Schwerkranken nicht alleine lassen und es muss eine klare Vernetzung mit Psychiatern bzw. Suchtambulanzen in psychiatrischen&nbsp; Abteilungen gegeben.“</i><br />Für die Expertin öffnet aber gerade die ihrer Meinung nach falsche Verteilung der Anteile in der Versorgung von Opioid-Substitutionspatienten den Folgeproblemen Tür und Tor: <i>„Eine gewisse Anzahl von Patienten mit dieser Medikation kann hervorragend durch Allgemeinmediziner behandelt werden. Wenn das aber eine regelmäßige Anzahl von 30 bis 50 Patienten pro Monat überschreitet, sollte der Nachweis von zusätzlichen Angeboten wie einer Betreuung durch einen Psychologen und/oder Sozialarbeiter erforderlich sein. Es gibt immer wieder Praxen, in denen dann so viele Substanzabhängige betreut werden, dass das ambulanzähnliche Charakteristika bekommt – aber ohne die in Ambulanzen vorhandenen zusätzlichen multiprofessionellen Angebote.“</i><br />Eine weitere Gefahr, so Fischer: <i>„Über die Komorbiditäten der Suchtkranken kommen dann die Benzodiazepine dazu.“</i> Da würde dann häufig statt zu einer zielgerichteten Medikation zu Tranquilizern und Co. gegriffen. Was schon in vielen Fällen bei nicht von Opiatabhängigen wie Depressionen, Angststörungen oder gar Psychosen längerfristig ein Fehler sei, wirke sich bei den Suchtkranken noch mehr aus. Die Expertin: <i>„Das sind dann hohe Dosierungen, Dauermedikationen die Patienten besorgen sich noch Medikamente dazu – und dann gibt es Zwischenfälle oder es taucht Ware auf dem Schwarzmarkt auf.“</i><br />
<h2>Forderungen der Wiener Suchtexpertin: </h2>
<ul><li>Opioid-Substitutionstherapie durch Allgemeinmediziner, wenn die Sucht-erkrankung im Vordergrund steht.</li><li>Einstellung auf eine Opioid-Substitutionstherapie bei Jugendlichen ausschließlich beim Facharzt/Ambulanz.</li><li>Limit für die Zahl der in einer Allgemeinpraxis betreuten Substitutionspatienten, bei Überschreiten notwendiger Nachweis zusätzlicher Betreuungsangebote. </li><li>Wirksame transparente Qualitätskontrolle durch die Ärztekammer. </li></ul>
Jedenfalls müssten sich Psychiater und psychiatrische Abteilungen sowie sonstige fachspezifische Einrichtungen integrativ um die Suchtkranken kümmern. Die Expertin von der MedUni Wien: <i>„Wir haben Patienten, die werden wegen ihrer Psychose medikamentös im Psychosozialen Diensten (PSD) behandelt. Und dann kommen sie zu uns an die psychiatrische Universitätsklinik wegen der Opioiderhaltungstherapie. Andererseits ist zum Beispiel in Innsbruck die Situation, dass die Ambulanz der Klinik lange versuchte eine Monopolstellung in Verschreibungseinschränkungen einzunehmen. Das kann es auch nicht sein.“</i><br />Immer wieder werden neue Medikamente zur Behandlung Opioidabhängiger entwickelt. In Bälde soll es Buprenorphin in Form nicht für illegale Zwecke auflösbarer Film-Galenik, die nur oral die Wirksubstanz abgibt, geben. Wundermittel wird auch das nicht sein. Die Expertin: <i>„Dass Patienten, die an&nbsp; ‚Substanzmissbrauch‘ leiden, Medikamente auch missbräuchlich verwenden, darf nicht überraschen.“</i> Aber in Österreich unterscheiden wir uns in der State-of-the-art Behandlung von anderen Ländern und Kontinenten: 70 Prozent der Opioidverschreibungen lauten auf orale, retardierte Morphine, es sollten ein Drittel sein, ein weiteres Drittel Methadon- bzw. Methadon-ähnliche Medikamente und das dritte Drittel Buprenorphin. Bei zahlreichen Patienten gelingt es dann nach Jahren bis Jahrzehnten bei guten Standards auch eine Medikamentenfreiheit zu erzielen (durch Allgemeinmedizinern und Fachärzte).]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 May 2012 19:41:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Benzodiazepine</title>
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			<description>Am Anfang standen die verelendeten Drogenkonsumenten des Wiener Karlsplatz – jetzt sollen die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Mischkonsum von Opiaten, Alkohol und Benzodiazepinen, was ehemals sogar die „Wiener Mischung“ bekam, ist eine besondere Problematik in der Betreuung von Drogenkranken. Jetzt wollen Gesundheitsministerium, Ärzte- und Apothekerkammer den „Benzo“-Zusatzkonsum einigermaßen unter Kontrolle bringen. <br /><i>„Die Ärzte sind hier oft mit sehr fordernden Patienten konfrontiert. Die geplante Neuregelung geht dahin, den Ärzten ein klares Rüstzeug zu geben, wie vorzugehen ist. <br />Natürlich gibt es auch in der Ärzteschaft manchmal ‚Schwarze Schafe‘“,</i> sagte der Leiter des Referats für Fragen der Opioidsubstitution der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Norbert Jachimowicz, vor wenigen Tagen bei einem Hintergrundgespräch im Gesundheitsministerium. <br />Den Beteiligten geht es um die zusätzlichen Benzodiazepin-Verschreibungen. Dr. Johanna Schopper, Bundesdrogenbeauftragte: „Bei 92 Prozent der drogenbedingten Todesfälle lag (2010, Anm.) in der Obduktion nachweisbar ein Mischkonsum vor, bei 77 Prozent waren Diazepine beteiligt.“ 
<h2>Privatrezepte, Fälschungen, Extrem-Dosierungen, Schwarzmarkt</h2>
Das Problem: Privatrezepte, Fälschungen speziell von Privatrezepten (viele Diazepine sind ja billiger als die Rezeptgebühr), Dauerverordnungen, zum Teil extrem hohe Dosierungen, Schwarzmarkt etc. <br />Die geplanten Maßnahmen, es soll auch eine Leitlinie für die niedergelassenen Ärzte geben: 
<ul><li>Die rasch anflutenden Benzodiazepine (Substanz: Flunitrazepam; Rohypnol®; Somnubene® etc. ) sollen der verpflichtenden Verschreibung auf Suchtgiftrezept (Suchtgiftverordnung) unterstellt werden (Fälschungsschutz, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Verschreibung, „Vignettenkennzeichnung“).</li><li>Für die langsamer anflutenden Benzodiazepine soll in der Psychotropenverordnung ein „ne repetatur“ ohne Möglichkeit der ärztlichen Anordnung einer wiederholten Abgabe in der Psychotropenverordnung festgelegt werden.</li><li>Via Chefärzte soll nur noch der Monatsbedarf genehmigt werden. </li><li>Benzodiazepine sind an sich als für die Behandlung von Suchtkranken kontraindiziert zu betrachten. </li><li>Die behandelnden Ärzte sollen möglichst auch bei den „Benzos“ nur noch die Abgabe einer Tagesdosis verordnen. Die Apotheker erhalten eine eigene Taxe für das „Auseinzeln“ der Tabletten. </li><li>Für langsam anflutende Benzodiazepine entfällt die Möglichkeit von Dauerrezepten („ne repetatur“). </li><li>Verschreibung von Benzodiazepinen nur noch im Rahmen eines längerfristigen Behandlungsplanes. &nbsp;</li><li>Zusätzlicher Konsum von Benzodiazepinen sollte als möglicher Hinweis dafür gesehen werden, dass auch noch andere psychiatrische Erkrankungen vorliegen. </li><li>Die Bedeutung der psychiatrisch fachärztlichen Betreuung von Suchtpatienten soll betont werden. &nbsp;</li></ul>
Das Problem liegt allerdings zu einem Gutteil auch darin, dass in Österreich eindeutig zu wenige Kassenstellen für Psychiater existieren. Das trifft alle psychiatrisch Kranken, wohl aber in einem noch deutlich erhöhten Ausmaß die Drogenabhängigen.]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 May 2012 19:29:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Wir reden von klassischer Klassenmedizin“</title>
			<link>http://www.kassenarzt.at/index.php?id=194&#38;no_cache=1&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=1521</link>
			<description>Kein Licht am Ende des Tunnels in Sachen HPV-Impfung: „Wir reden hier von klassischer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Vorgeschichte: Im September 2006 wurde der erste der beiden HPV-Impfstoffe zur Verhütung von Gebärmutterhalskrebs und von anderen durch das Human Papilloma Virus hervorgerufenen Übeln in der EU zugelassen. <br />Doch während ein Land nach dem anderen in Europa und in den übrigen Industriestaaten die HPV-Impfung in seine Kinder-Impfprogramme hievte, blieb das in Österreich aus. Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky ließ ein Health Technology-Gutachten erstellen, das – vor allem wegen der gewählten Fragestellung – einfach ergeben musste, dass die Impfung nicht kosteneffektiv sei. <br />Somit der Status, so die Kremser Gynäkologin Dr. Doris Linsberger: <i>„Österreich ist das einzige Land (unter vergleichbaren Industriestaaten, Anm.), in dem die Impfung nicht im nationalen Kinderimpfprogramm enthalten ist. Das ist eine Schande, das ist ein Skandal. (...) In Österreich erkranken pro Jahr 500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Pro Jahr sterben rund 180 daran. Wir haben in Österreich pro Jahr 60.000 pathologische Krebsabstriche. Rund 6.000 Frauen müssen sich einer Konisation unterziehen.“</i> Die Hälfte davon wäre per HPV-Impfung verhinderbar.
<h2>Kostenargument falsch</h2>
Das Kostenargument aus der alten HTA-Untersuchung geht an der Realität vorbei. Dr. Michael Kundi vom Zentrum für öffentliche Gesundheit der MedUni Wien hat Ende 2009 mit eine neue Berechnung vorgestellt. Langfristig – und selbst bei Einrechnung des normalen Preises für die Impfung (derzeit rund 190 Euro pro Teilimpfung) erwies sich die Impfung als kosteneffizient. <br />Mittlerweile sind die Erfolge mit der Impfung eindeutig. Am 18. Juni 2011 erschien im „Lancet“ eine Studie aus Australien. Die Autoren: <i>„Das ist der erste Bericht über einen Rückgang der Häufigkeit von hochgradigen Gebärmutterhals-Abnormalitäten (bis hin zu einem noch nicht invasiven Karzinom) innerhalb von drei Jahren nach der Einführung eines flächen-deckenden HPV-Impfprogramms.“ </i>
<h2>Neue Studie</h2>
Erst Ende März dieses Jahres haben Univ.-Prof. Dr. Elmar Joura (Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien) und Co-Autoren im British Medical Journal (BMJ) eine neue Studie publiziert. Joura: <i>„Im Rahmen der Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffes gegen HPV-Infektionen wurden 17.000 Frauen zur Hälfte geimpft und zur Hälfte nicht geimpft. Am Ende bekamen alle die Immunisierung. Wir haben die Daten jener Frauen untersucht, die im Verlauf der Untersuchungen an einer Krebsvorstufe an Gebärmutterhals oder Vulva oder HPV-bedingten Genitalwarzen erkrankten. Die Beobachtungszeit betrug zwei Jahre.“</i><br />Was sich als eindeutiges Ergebnis herausstellte: Die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) verringert bei Patientinnen, die bereits Erkrankungen in Folge einer HPV-Infektion hatten, das Risiko einer neuerlichen HPV-assoziierten Krankheit deutlich. Der Gynäkologe: <i>„So sinkt die Häufigkeit einer neuerlichen HPV-Erkrankung um etwa die Hälfte. Es kommt zu zwei Drittel weniger neuen Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses, die chirurgisch entfernt werden müssen.“</i><br />In Österreich sind derzeit nur zwischen zwei und fünf Prozent der Mädchen gegen HPV geimpft. <br />Ehemals ging man im Hauptverband der Sozialversicherungsträger davon aus, dass man für den Impfstoff bei Gesamtbestellung einen Preis von 80 bis 90 Euro erreichen könnte. 191 Euro – derzeit eindeutig zu viel für die meisten Eltern – da sagt jedenfalls Dr. Michael Elnekheli: <i>„Das ist Zwei-Klassen-Medizin.“</i>]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 17 May 2012 21:32:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Wenn’s beim Doktor nicht mehr klingelt …</title>
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			<description>Das Pharma-Marketing verändert sich. Zum Besseren? Zum Schlechteren?</description>
			<content:encoded><![CDATA[Neue Technologien, eine sich verändernde Arzneimittelwelt, engere Margen. Was viele Jahre lang Usus war – der Besuch des Pharmareferenten – wird bei den niedergelassenen Ärzten, speziell bei den Allgemeinmedizinern, zunehmend rarer. Was dahinter steckt, hat DER KASSENARZT recherchiert. <br /><i>„Liebe Frau Dr. X, tut mir leid, aber ich komme heute das letzte Mal zu Ihnen&nbsp; auf Besuch. Mein Unternehmen stellt den Außendienst zum Gutteil ein. Ich schaue, dass ich bis zur Pension halt so über die Runden komme.“</i> Solche und ähnliche Mitteilungen – zum Teil nach jahrzehntelanger Bekanntschaft der Partner – haben Österreichs Kassenärzte in den vergangenen Monaten wohl öfter gehört. <br />Oder anders herum: <i>„Du, die Pharma-Firma Y hat mir einen Brief geschrieben. Ich soll mir in Zukunft die Produktinformationen am besten von deren Homepage herunterholen. Irgendwie bin ich für die kein Ansprech-partner mehr“,</i> meinte vor kurzem ein Wiener Allgemeinmediziner. <br />Trara, Trara! Noch vor einigen Jahren tourten in ganz Österreich für die niedergelassenen Ärzte noch unzählige Pharma-Außendienstmitarbeiter durch die Gegend. Aktuelle Kosten für ein Unternehmen pro Jahr: rund 100.000 Euro. Sie tourten mit mehr oder minder freundlichem, aufdringlichem, hilfreichem etc. Verhalten. Da waren oft auch recht imposante Charaktere darunter. 
<h2>Schluss? Aus?</h2>
Dr. Robin Rumler, Präsident des Verbandes der Pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), will das nicht so sehen: <i>„Vor ein paar Jahren hatte die Pharma-industrie in Österreich zwischen 1.700 und 1.800 Außendienstmitarbeiter. Heute sind es um die 1.500. Das ist ein Rückgang um etwa 20 Prozent. Der Rückgang resultiert einerseits aus&nbsp; Unternehmensfusionen und andererseits aus einem veränderten Marketing-Mix.“</i><br />Und ein Zurückstutzen von offenbar überbordender Produktbetreuung. Rumler, auch Geschäftsführer von Pfizer-Österreich: <i>„Man hatte früher Außendienstmitarbeiter für vier Produktlinien. Heute hat man die Produktlinien zusammengelegt. Wir wollen auch in an sich schon stark frequentierten Praxen nicht unkoordiniert und mehrfach in kurzer Zeit auftreten.“</i><br />Auf der anderen Seite, so der Pharmig-Präsident: <i>„Aber wir wissen, dass niedergelassene Ärzte Pharmareferenten als Informationsquellen an die Spitze stellen.“</i> Da wäre eine Abkehr vom Außendienst sicher kontraproduktiv. Rumler: <i>„Wir wollen keinesfalls, dass der niedergelassene Arzt sich allein gelassen vorkommt.“</i>
<h2>Rahmenbedingungen</h2>
Worum es geht: 
<ul><li>Der Pharmamarkt im niedergelassenen Bereich und auf Kassenrezept machte 2011 in Österreich&nbsp; insgesamt 2,252 Milliarden Euro via öffentliche Apotheken aus. Dazu kamen noch 15 Prozent Marktanteil der ärztlichen Hausapotheken. </li><li>Die Umsatzsteigerung von 2,3 Prozent war weit von Werten noch vor einigen Jahren entfernt. </li><li>Neue „Blockbuster“ oder zumindest echte Renner fehlen, alte (Sortis®; Nomexor®, Plavix®) haben den Patentschutz verloren.</li><li>Krankenkassen setzen aus Spargründen immer mehr auf die Praxis der Erstverschreibung durch ein „Zentrum“ oder durch einen Facharzt, eventuelle (so beim Chefarzt durchgängig, was oft fraglich ist) Nachverschreibung beim niedergelassenen Arzt. </li></ul>
<i>„Wir haben seit vergangenem Jahr nur noch ‚Specialty Care‘-Außendienstmitarbeiter. Für uns sind das Krankenhaus und die Fachärzte entscheidend. Das hängt aber mit unserer Produktpalette zusammen. Ich habe selbst als Pharmareferent begonnen, für manche ältere Kollegen ist das jetzt sehr unangenehm. Aber wir hören auch von Ärzten, dass der Besuch eines Außendienstmitarbeiters mehr Zeit kostet als es etwas bringt“,</i> sagte der Marketing-Leiter eines führenden forschenden Pharmakonzerns im Gespräch mit DER KASSENARZT. Klar, wenn man vor allem „Spitalsprodukte“ (die Einteilung ist ja auch ein Spiegel der verqueren österreichischen Gesundheitspolitik – nur ja keine Kosten für die Krankenkassen) hat, macht sich ein Außendienst nicht mehr so bezahlt. <br />
<h2>Kaum langfristige Marken-Pflege</h2>
Auf der anderen Seite, die Pharmaindustrie agiert laut Marktkennern offenbar nicht wirklich ganz scharf an den Bedürfnissen. Erich Bergmann, Geschäftsführer der „Agentur für durchdachte Kommunikation – Denken hilft!“: <i>„Früher gab es integrierte Marketing- und Werbekonzepte. Heute wird am ehesten gefragt, was ein Inserat kostet.“</i><br />Für den lang gedienten Spezialisten mit ebenso langer Kundenliste in der Arznei-mittelwirtschaft gibt es doch einige Spezialitäten der Branche: <i>„Erstens glaubt die Pharmaindustrie anders als alle anderen zu sein. Sicher, es gibt weniger Innovationen. Aber welche Innovation hat ‚Nivea‘? Die machen seit Jahrzehnten exzellentes Marketing rund um ihr Unternehmen.“</i> Das zahle sich offenbar aus. <br />Das dazu alternative Handeln der Pharmaindustrie, so Bergmann: <i>„Da hatte man immer nur begrenzte Kampagnen gehabt – die Markteinführung eines Produkts und vielleicht drei Jahre weitere Maßnahmen. Ich glaube aber, dass man in der Pharmaindustrie eher zur ständigen Information des niedergelassenen Arztes verpflichtet ist.“</i> Wenn da die notwendige Information nicht mehr beim Arzt ankomme, könne das kritisch werden. <br />
<h2>Wie Kundenbindung erhalten?</h2>
<i>„Ich frage mich halt, wie die Pharmaunternehmen eine Kundenbindung aufrechterhalten wollen, wenn sie nicht mehr zu den Kunden gehen?“,</i> meinte ein ebenfalls seit vielen Jahren im Pharmamarketing-Geschäft befindlicher Spezialist. <br />Der Hintergrund: Bei zwischen patentfreiem Originalpräparat und dutzenden Generika kaum unterscheidbaren Preisen könnte wohl der direkte und persönliche Kontakt doch den Ausschlag für die Weiterverschreibung bestimmter Medikamente ausmachen. <i>„Die Lipidsenker sind, was den Forschungsaufwand betrifft, abgeschrieben. Aber der Allgemeinmediziner wird sie weiter verschreiben. Warum verschreibt er dann ein spezielles Produkt?“,</i> meinte der Experte. <br />
<h2>E-Medien</h2>
<i>„Ich glaube, dass in Zukunft viel mehr über die neuen Medien mit Internet, Apps, Skype etc. laufen wird. Und außerdem wissen wir in der Pharmaindustrie, dass 20 Prozent der Ärzte 80 Prozent der Verschreibungen auslösen. Wir können die wichtige Zielgruppe genauer ansprechen“, sagte ein Ex-Spitzenmanager eines forschenden Pharmaunternehmens im Gespräch mit DER KASSENARZT. <br />Zusatz: „Das Boxensystem bei den Arzneimittelverschreibungen auf Kassenkosten hat natürlich bei den Erstverschreibungen zu einer Verschiebung in den Facharztbereich geführt.“</i> Dort würden die Außendienstmitarbeiter eben auch verstärkt eingesetzt. <br />Bleibt die Frage nach den Alternativen. Rumler: <i>„Es wird mehr Dienstleistungen via Internet, E-Mail, Push- und Pull-Dienste etc. geben. Wir wollen den viel beschäftigten Arzt nicht alle paar Tage besuchen. Wir wollen, dass wir seine Informationsbedürfnisse möglichst maßgenschneidert erfüllen.“</i><br />Dazu werden in Zukunft vermehrt Systeme bzw. Informationsplattformen dienen, über die der Arzt seine Interessen und Wünsche äußern und bei Bedarf auch akut mit Pharmareferenten direkt Kontakt aufnehmen kann – der Skype-Außendienst sozusagen. <br />Rumler: <i>„Wenn unsere Außendienstmitarbeiter nicht mehr sechs Mal im Jahr in jede Ordination kommen, sondern dreimal im Jahr, weil der Arzt es uns als Wunsch via Internet etc. mitgeteilt hat, dann können wir mit unserem Team sogar noch mehr Ärzte als bisher besuchen. Und E-Learning, das wird natürlich auch immer wichtiger werden.“</i><br />Jedenfalls, laut dem Pharmig-Präsidenten wird derzeit nicht weniger Geld für Pharma-Marketing ausgegeben als noch vor einigen Jahren: <i>„Es ist in etwa gleich geblieben. Aber die Investitionen haben sich verlagert, die Verwendung verbreitert.“</i><br />Wie’s weiter geht? Nichts Genaues ist bekannt. Es könnte aber auch sein, dass in den Headquarters der internationalen Pharmaindustrie wieder andere Management-Berater einziehen – und plötzlich überall die direkte Kundenbindung wieder forciert wird. Auch in der Pharmabranche gibt es – laut Insidern wahrscheinlich durch „Modeströmungen“ bei Managementtheorien und Beratungsunternehmen – immer wieder ein Auf und Ab verschiedenster Strategien. Und betriebswirtschaftlich bzw. beim Ergebnis für die Aktionäre zahlen sich die Reduktion des „Headcounts“ oder der „Workforce“ auf jeden Fall aus. Auch für die Karriere des Spitzenmanagements.]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 17 May 2012 21:21:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Honi soit qui mal y pense</title>
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			<description>Kolumne von Wolfgang Wagner</description>
			<content:encoded><![CDATA[Blöde Geschichte! Die Aufgabenverteilung im österreichischen Gesundheitswesen wurde jahrzehntelang ohne Planung betrieben – und jetzt soll alles anders werden. <i>„Honi soit qui mal y pense“ – „Ein Schelm ist, wer schlecht denkt!“,</i> heißt es im Wappenspruch des britischen Hosenbandordens! &nbsp;<br />Klar ist: Es muss eine neue Spitalslandschaft her, weil die alte zu teuer geworden ist bzw. ständig und unverhältnismäßig schnell teurer wird. Hauptverband-Chef Hans Jörg Schelling: <i>„Zwischen 1998 und 2010 sind die Zahl der Ambulanzfrequenzen um zehn Prozent und die Kosten um 90 Prozent gestiegen. Die Facharztfrequenzen – nur die kann man mit den Ambulanzbesuchen vergleichen – sind um 43 Prozent gestiegen, die Kosten um 43 Prozent.“</i> Jetzt beraten eben Bundesländer, Sozialversicherung und Bund, wie man das ändern könnte.
Doch halt! Gibt es für die notwendigen Änderungen politische oder sachliche Kriterien?<i> „Die Ergebnisse von Erhebungen hinsichtlich medizinischer Qualität und <br />Patientenzufriedenheit müssen ausschlaggebend für künftige Investitions- und De-Investitionsentscheidungen sein“,</i> sagte vor wenigen Tagen Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz-Gruppe (Ordensspitäler). <br />Aber hat es in Österreich schon jemals die Errichtung eines Spitals, die Aufrechterhaltung einer Abteilung etc. gegeben ohne … <i>„Politik“? Wenn der Wert eines LKF-Punktes für ein Spital – je nach Bundesland – zwischen 0,96 und 1,40 Euro schwankt, dann „gute Nacht, reformfreudiges Österreich!“</i><br />Und dann ist da noch ein kaum überwindbares Problem: Jene Repräsentanten, die jetzt über die Reform verhandeln, haben „Interessen“, sind explizit die „Stakeholder“ des Systems. <br />Dr. Christian Kuhn, Rechtsanwalt und Mitglied der Bundesgesundheitskommission: <i>„Es gibt in Österreich kein Gefühl für Unvereinbarkeiten. Die Bundesländer haben <br />allumfassende Macht. Sie sind Gesetzgeber, Finanzierer, Leistungsanbieter, Planer und Entscheidungsträger im Spitalsbereich. (…) Es ist höchste Zeit, dass hier Nachvollziehbarkeit und Transparenz einkehren.“</i><br />Da gehören Transparenz und „Vergangenheitsbewältigung“ her. Zum zweiten Punkt: Die Spitäler weisen auch deshalb eine stärkere Kostensteigerung auf, weil sich dort der medizinische Fortschritt abgespielt hat – deutlich weniger in der niedergelassenen Praxis. Dort wurde nämlich an Leistungen gespart, weil das den Krankenkassen nützte. <br />Die Krankenkassen kommen – zum großen Glück für den sozialen Zusammenhalt des Landes – für fast 100 Prozent notwendiger medizinischer Leistungen im niedergelassenen Bereich auf, leider bisher auch für mehr als 50 Prozent der Spitalskosten.&nbsp; Auch hier gibt es eine Interessens-Gemengelage, die angepeilter Transparenz entgegensteht. <br />Man könnte – auf gut Wienerisch – „ganz deschperat“ sein. Wie nämlich aus jeder Menge Unvereinbarkeiten der große Reformwurf entstehen soll, ist (noch) nicht wirklich erkennbar. <br /><br /><b>Wolfgang Wagner, </b><br />Chefreporter<br /><link wagner@kassenarzt.at>wagner@kassenarzt.at</link>]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 20:03:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>„Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!“</title>
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			<description>Hauptverbands-Chef Dr. Hans Jörg Schelling im DER KASSENARZT-Interview: „Ohne Ausbau des...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Spannung an allen Orten im österreichischen Gesundheitswesen. Immerhin soll es bis Ende 2012 eine Vereinbarung zwischen Bund, Bundesländern und der Sozialversicherung über die Grundsätze der Gesundheitsreform mit einheitlicher Planung und Steuerung sowie gemeinsamer Finanzverantwortlichkeit geben. DER KASSENARZT sprach dazu mit dem Chef des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger, Dr. Hans Jörg Schelling. <br />Fazit: Ohne Ausweitung der Leistungen im niedergelassenen Bereich wird es wohl nicht gehen. Und: Die „Systempartner“, darunter die Ärzteschaft, sollte nicht zuvorderst Angst haben, zwischen den Verhandlungspartnern (Bund, Länder, Sozialversicherung) quasi hinterrücks zerrieben zu werden. Schelling: <i>„Dieses Problem sehe ich überhaupt nicht. Ich sehe eher eine Stärkung des niedergelassenen Bereichs in der Zukunft. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.“ &nbsp;</i><br />Die Ausgangslage: <i>„In Österreich liegen die öffentlichen Gesundheitsausgaben bei rund&nbsp; 28 Milliarden Euro. Alle Gesundheitssysteme haben Probleme. Unser Gesundheitswesen agiert einrichtungs- statt patientenbezogen. Die Krise hat die Ausgangssituation nur verschärft. In Österreich herrscht die Einstellung vor: Wir haben Leistungen, die uns ‚zustehen‘ und lauter ‚wohl erworbene Rechte‘.“ </i><br />Bremsend gegen alle Reformideen gerichtet seien, so der Chef des Hauptverbandes, die <i>„Angst vor Machtverlust, vor unpopulären Wahrheiten und davor, unbeliebt zu sein.“</i> Und generell: <i>„Es ist jeder für etwas zuständig, aber keiner ist verantwortlich.“</i> Den „Staat als Retter“ werde es allerdings nicht geben, Verwaltung statt Gestaltung und mangelnder Mut statt Leadership könnten die Probleme nicht lösen. <br />Im Grunde genommen geht es bei der geplanten Gesundheits- und Spitals-reform um zwei Prozesse: Umsetzung des Plans zur Konsolidierung der Krankenkassen und Realisierung eines Konsolidierungspfades für die im Verantwortungsbereich der Bundesländer liegenden Spitäler. Übergeordnet geht es aber um die gemeinsame Planung und Finanzierung der Gesundheitsleistungen. <br />Bei ersterem – dem Sanierungsplan für die Krankenkassen – sieht Schelling das System auf Kurs: <i>„Der Kostendämpfungseffekt wird von 2012 bis 2016 rund 1,3 Milliarden Euro betragen. Bis 2020 werden es 2,475 Milliarden Euro sein.“</i> Langsam sollte es zu einer Senkung der Ausgabenzuwächse auf das BIP-Wachstum kommen. Der Chef des Hauptverbandes: <i>„Ich gehe davon aus, dass 2013 die Krankenkassen schuldenfrei sein werden.“</i> Derzeit steigen die Ausgaben der Krankenversicherungen in Österreich nur um rund zwei Prozent pro Jahr – etwas weniger als der Anstieg bei den Beitragseinnahmen. &nbsp;<br />
<h2>Reform: Was vereinbart ist</h2>
Was prinzipiell vereinbart ist, so der Chef des Hauptverbandes: „Es soll eine bundeseinheitliche, Bundesländerübergreifende und verbindliche Planung geben, ebenso eine Steuerung nach einheitlichen Parametern. Die Qualitätssicherung erfolgt auf Bundesebene.“<br />Die Finanzen: <i>„Alle Maßnahmen sollen durch Hebung der wirtschaftlichen Effizienz finanziert werden. Es kommt zu einer integrierten Planung und Steuerung, die sich am Bedarf der Patienten orientiert – innerhalb eines paktierten Ausgabenvolumens.“</i> Da sollen dann Spitalswesen und niedergelassener Bereich ganzheitlich erfasst sein. <br />Ins Detail, wie die Aufgabenteilung in der Zukunft im österreichischen Gesundheitswesen bis auf regionale Ebene hinab laufen soll, gehen die Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung noch bei weitem nicht. <br />Schelling: <i>„Derzeit geht es vor allem um die Vorarbeiten für die Vereinbarung über die gesetzlichen und vertraglichen Rahmenbedingungen, wie die Planung und Finanzierung des Gesundheitswesens in Zukunft zwischen den Partnern ablaufen soll.“ </i><br />
<h2>Virtuelle Gesamtbudgets </h2>
Hier sei man erst Ende März wesentlich weiter gekommen. Schelling:&nbsp; <i>„Es wird keine ‚Ländertöpfe‘ mehr geben. <br />Wichtig sei, dass man sich in den bisherigen Verhandlungsrunden darauf geeinigt hat, dass es bei der gemeinsamen Finanzierung des Gesundheitswesens durch Bundesländer und Krankenkassen keine Ländertöpfe, sondern virtuelle Budgets geben wird, die alle Mittel umfassen werden.“</i> <br />Erst mit diesen virtuellen Budgets könnten Aufbau und Aufgabenverteilung samt leistungsorientierter Finanzierung des Gesundheitswesens in Zukunft angegangen werden. Schelling: <i>„Vereinbart ist ein Zielsteuerungssystem mit Versorgungszielen bezogen auf die Bevölkerung auf Bundes- und Landesebene, Planungswerten für den intra- und extramuralen Bereich und schließlich mit den Versorgungsstrukturen intra- und extramural.“</i><br />Der Bedarf an einer Neuordnung der Aufgabenverteilung im österreichischen Gesundheitswesen sei ja offensichtlich. Ein Beispiel seien die Spitalsambulanzen. Schelling: <i>„Wirklich vergleichen kann man nur die Spitalsambulanzen mit dem Bereich der fachärztlichen Versorgung, weil hier ähnliche Leistungen angeboten werden. Zwischen 1998 und 2010 sind die Zahl der Ambulanzfrequenzen um zehn Prozent und die Kosten um 90 Prozent gestiegen. Die Facharztfrequenzen – nur die kann man mit den Ambulanzbesuchen vergleichen – sind um 43 Prozent gestiegen, die Kosten ebenfalls um 43 Prozent.“</i><br />Fazit, so Schelling: <i>„Wir brauchen neue Versorgungsstrukturen. Ich gehe davon aus, dass es&nbsp; zum Beispiel mehr Gruppenpraxen geben wird. Und wir kommen mit der Reform nur in die Fläche, wenn wir den niedergelassenen Bereich stärken. Hier wird es auch zu einer Verlagerung von Leistungen kommen. Das Geld soll den Leistungen folgen. Es wird auch zu einer Verlagerung von Budgets kommen.“ Hier müssten aber erst die Voraussetzungen für die entsprechende Verrechnung geschaffen werden. Der Chef des Hauptverbandes: „Das doppelte Geld werden wir nicht haben.“</i><br />Im Rahmen des künftigen Gesundheitssystems wird es auch zur Bildung von Gremien auf Bundes- und Länder-ebene kommen, wo eben diese Planung stattfindet. Der Vorsitzende des Verbandsvorstandes des Hauptverbandes: <i>„Wir werden am Schluss die Systempartner einbeziehen.“</i><br />Jedenfalls ist nach der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen mit einer längeren Umgestaltungsphase im österreichischen Gesundheitswesen zu rechnen. Schelling: <i>„Nach einer Einigung könnte man die legistischen Maßnahmen innerhalb eines halben Jahres herstellen. Wenn man sich die deutschen Modelle ansieht, dürfte man aber für die <br />Realisierung neuer Strukturen (mit neuen Aufgabenteilungen zwischen Spitälern und ambulantem Sektor, Anm.) doch fünf bis sechs Jahre benötigen.“</i>
<h2>Wechselvolle Verhandlungen</h2>
Dabei findet in den Gesprächen zwischen Bund, Bundesländern und Sozialversicherung regelmäßig ein hartes Tauziehen statt. So sagte Schelling vor kurzem bei einer Veranstaltung in Wien: <i>„Wir sind alle vier Wochen am Scheitern. Tatsächlich sind wir noch längst nicht dort, wo wir hinwollen. Aber wir sind auf einem guten Weg.“</i><br />Seine Sorge sei, dass die letzten Hindernisse immer höher würden: <i>„Wir sind bei Hürde sechseinhalb von zehn im Hürdenlauf.“ </i><br />Bekanntermaßen seien die Hürden im Laufsport gleichmäßig rund 1,10 Meter hoch. Der Hauptverband-Chef hat aber <i>„die Angst, dass die letzte dann dreieinhalb Meter hoch wird.“ </i><br />Der Fahrplan: Im Mai sollen die Landesgesundheitsreferenten beraten, eine Landeshauptleutekonferenz dann die ins Auge gefassten Ziele „abnehmen“. Eine Vereinbarung über die Gesundheitsreform soll es bis Ende 2012 geben. Im kommenden Jahr soll die Sache vorbereitet, umgesetzt dann mit dem Jahr 2014 werden.
foto: felicitas matern]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 19:36:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Gesundheitsreform:  Ärzte „draußen vor der Tür?“</title>
			<link>http://www.kassenarzt.at/index.php?id=194&#38;no_cache=1&#38;tx_ttnews%5Btt_news%5D=1319</link>
			<description>Der Vorarlberger Ärztekammerpräsident Dr. Michael Jonas fordert vehement die Einbindung der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Da gehen Angst und Besorgnis um: In allen bisherigen Verhandlungen über die Spitals- und Gesundheitsreform war bisher die Ärzteschaft nicht eingebunden. Der Vorarlberger Kammerpräsident Dr. Michael Jonas will deshalb schnell eine Beteiligung an den Verhandlungen erreichen: <i>„Von den wenigen Informationen, die wir über Dritte erhalten haben, müssen wir ableiten, dass grundlegende Änderungen im System der Gesundheitsversorgung, vor allem für den niedergelassenen Bereich, geplant sind.“</i><br />Das – so der Standesvertreter gegenüber DER KASSENARZT – sei nichts anderes als ein radikaler Bruch mit den Grundprinzipien sozialpartnerschaftlicher Gesundheitspolitik und eine Missachtung des Koalitionsübereinkommens der Bundesregierung. So werde unter dem Schlagwort „Zielsteuerungssystem“ von Bund, Ländern und Hauptverband der Sozialversicherungsträger eine staatlich-zentralistische Steuerung der medizinischen Versorgung geplant. Ebenso solle offenbar in die bisherigen Gesamtverträge zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung eingegriffen werden, lautet die Befürchtung. <br />Stattdessen sollten – so der Kammerpräsident – Einzelverträge zwischen niedergelassenen Ärzten und SV abgeschlossen werden können: <i>„Das verletzt alle bewährten sozialpartnerschaftlichen Regeln. Darüber hinaus wäre der Beruf des Arztes kein freier Beruf mehr, würden Ärztehonorare künftig tatsächlich per Verordnung beschlossen – also ohne Einbindung der gesetzlich legitimierten Standesvertretung der Ärzte.“</i> Weiters werde geplant, dass den Ordinationen per Verordnung das Dokumentationssystem der <br />Spitalsambulanzen aufgezwungen werden soll. <br />Die Vorarlberger Ärztekammer hat ein Gutachten der Wiener Wirtschaftsexpertin und Politberaterin MMag. Agnes Streissler erstellen lassen. Es kommt im Kern zu zwei zentralen Ergebnissen: <br />
<ul><li>Ablehnung von Einzelverträgen </li><li>Forderung einer aktiven und frühzeitigen Einbindung der Ärzteschaft in zentraler Rolle</li></ul>

<h2>Einige Auszüge aus dem wissenschaftlichen Gutachten zur Frage der „Integrierten Planung“:&nbsp; &nbsp;</h2>

<ul><li>Integrierte Versorgung ist ein Organisationsprinzip, das Finanzierung, Menschen, Technologien und Ideen in einem System vereint, um eine effizientere und effektivere Versorgung als heute zu ermöglichen. Es gebe damit eine medizinische und eine fiskalische Verantwortung zur Zielerreichung. Hier würde die Fachliteratur die Notwendigkeit einer ärztlichen Führung betonen. </li><li>Ein besseres Schnittstellenmanagement, klarere Lotsenfunktionen und mehr Transparenz sollten letztendlich zur Vermeidung unnötiger Leistungen und zu geringeren Hospitalisierungsraten führen. Mittelfristig, bei entsprechender Anpassung der Kapazitäten müsste dadurch auch gerade der Bereich der Primärversorgung aufgewertet werden. </li><li>Der für die Umsetzung solcher Ziele erforderliche „Change Prozess“ müsse für alle Beteiligten Anreize zur Beteiligung bieten. Ein Gelingen setze voraus, dass alles fachliche Know-how rechtzeitig und umfassend eingebracht wird. Die langfristig strategische Planung der Gesundheitssysteme sollte (…) allerdings nicht nur in der Hand der Finanziers liegen, sondern müsse von Anfang an gemeinsam mit den Versorgern erfolgen.</li><li>Einzelverträge würden zu hohen Transaktionskosten führen. Hier seien kollektivvertragliche Systeme eindeutig günstiger. </li></ul>
Kammerpräsident Dr. Michael Jonas: <i>„Einzelverträge bedeuten also eine deutliche Schlechterstellung für Ärzte und für Patienten und sind daher strikt abzulehnen und an der frühzeitigen Einbindung der Ärzteschaft in zentraler Rolle führt kein Weg vorbei.“</i> Hier sei die Beteiligung der Ärztekammer in die Verhandlungen, eine Aufwertung der Landeskammern in den Landesgesundheitsplattformen zu gleichberechtigten Partnern mit Sozialversicherung und Bundesländern und eine einvernehmliche Beschlussfassung in allen Angelegenheiten, welche die Ärzteschaft betreffen, zu fordern.]]></content:encoded>
			<category>KASSENARZT</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 19:24:00 +0200</pubDate>
			
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